Kontakthof – Echoes of ’78

Ein Tanzsaal, ein paar Stühle, Damen und Herren in Abendgarderobe im endlosen Ritual des Begehrens, der Annäherung, der Abweisung. Mit Kontakthof revolutionierte Pina Bausch 1978 die Tanzwelt. Das Stück war Bauschs Durchbruch beim Publikum und machte die Choreografin und das von ihr begründete Tanztheater Wuppertal schlagartig weltberühmt. Bereits bei der Uraufführung hatte Pina Bausch die Idee, es Jahrzehnte später mit derselben Besetzung noch einmal aufzuführen. Fast fünfzig Jahre später greift Meryl Tankard – selbst Tänzerin des damaligen Ensembles – genau diesen Gedanken auf. Gemeinsam mit ehemaligen Kolleg*innen tritt die Choreografin, Regisseurin und Videokünstlerin in einen berührenden Dialog mit der Vergangenheit.

Zwischen 70 und 80 Jahre alt sind die Tänzer*innen der Originalbesetzung inzwischen. Lediglich neun von einst zwanzig Akteur*innen sind dieses Mal auf der Bühne und spiegeln in Kontakthof – Echoes of ’78 ihr junges Ich auf projiziertem Videomaterial des ursprünglichen Stückes. Meryl Tankard macht an einem ergreifenden Abend die leergewordenen Stellen bewusst als gemeinsame Erinnerungen des ehemaligen Ensembles sichtbar. Damit schafft sie es, die eigene Vergänglichkeit auf berührende Art und Weise auf der Bühne zu verhandeln und dabei etwas ganz Neues zu kreieren.

Auch nach Pina Bauschs Tod 2009 wirkt das künstlerische Vermächtnis der Choreografin fort und wird von ehemaligen Tänzer*innen an junge Kolleg*innen weitergegeben oder von zeitgenössischen Choreograf*innen weiterentwickelt. Noch immer touren Pina-Bausch-Stücke weltweit – zusammen mit deren Adaptionen oder neuen Kreationen. Vergangenes Jahr war Kontakthof – Echoes of ’78 als eine von zehn bemerkenswerten Inszenierungen beim Berliner Theatertreffen. „Kein Denkmal“, urteilte die Jury, sondern „ein komplexer und magischer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der sich allen Einordnungen konsequent entzieht.“ Nun ist das Stück in Saarbrücken zu erleben.

Pina Bausch (1940–2009) ist eine der bedeutendsten deutschen Choreografinnen und eine zentrale Begründerin des modernen Tanztheaters. Geboren in Solingen, studiert sie an der Essener Folkwangschule und setzt ihr Studium anschließend an der Juilliard School in New York fort. 1973 wird sie künstlerische Leiterin des Tanztheaters Wuppertal. Dort entwickelt sie einen revolutionären Stil, der Tanz, Theater, Sprache, Alltagsgesten und eindrucksvolle Bühnenbilder miteinander verbindet. Ihre Werke erforschen zwischenmenschliche Beziehungen, Erinnerung und Emotionen, sowie soziale Verhaltensmuster. Anfang der 1980er Jahre erlangen einige ihrer Werke wie Das Frühlingsopfer (1975), Café Müller (1978) oder Kontakthof (1978) internationalen Ruhm. Heute gehören sie zum Repertoire der renommiertesten Ensembles weltweit. Indem sie das Genre erneuert, erschüttert Pina Bausch die Konventionen des Tanzes – nicht nur durch ihre Technik, sondern auch durch ihre besondere Art, ihre Tänzerinnen und Tänzer zu führen.

Die Australierin Meryl Tankard beginnt ihre Karriere als Tänzerin beim Australian Ballet, bevor sie zum Tanztheater Wuppertal unter der Leitung von Pina Bausch wechselt. Dort avanciert sie zu einem Schlüsselmitglied der Compagnie und prägt durch ihre Interpretationen bedeutende Werke wie Café Müller, Kontakthof, Walzer, Bandoneon, Arien, 1980 und Keuschheitslegende. Im Jahr 1989 gründet sie ihre eigene Formation in Canberra und übernimmt in der Folge die Leitung des Australian Dance Theatre. Als international renommierte Künstlerin gestaltet sie unter anderem die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Sydney im Jahr 2000 mit. In ihrem Schaffen synthetisiert Meryl Tankard die vielfältigen Einflüsse ihrer beeindruckenden Laufbahn zu einem unverwechselbaren Stil. Sie entwirft Choreografien, die sich durch fluide, dynamische Bewegungen und einen hochemotionalen Gehalt auszeichnen. Sie beweist eine besondere Sensibilität für die bildenden Künste sowie für originelle, szenische Innovationen.

Saarländisches Staatstheater

Schillerplatz 1
D-66111 Saarbrücken

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Konzeption und Inszenierung Meryl Tankard Mit Elisabeth Clarke, Josephine Ann Endicott, Lutz Förster, John Giffin, Ed Kortlandt, Beatrice Libonati, Anne Martin, Arthur Rosenfeld, Meryl Tankard Original Archivaufnahmen Rolf Borzik Probenleitung Fernando Suels Mendoza Konzeption Video Meryl Tankard Video-Editor Kenny Ang Design Projektionen YeastCulture Lichtdesign Ryan Joseph Stafford Sounddesign David McEwan Künstlerische Assistenz von Meryl Tankard Cristiana Morganti Künstlerische Mitarbeit Bénédicte Billiet Probenassistenz und Probentänzerin Sophia Otto

Für Kontakthof, das Originalstück (1978)

Inszenierung und Choreografie Pina Bausch Bühne und Kostüme Rolf Borzik Mitarbeit Rolf Borzik, Marion Cito, Hans Pop Musik Bertal-Maubon-Daniderff, Jimmy Dorsey, Anton Karas, Juan Llossas, Jean Sibelius, Jack Stapp, Harry Stone Mit Arnaldo Alvarez, Elisabeth Clarke, Fernando Cortizo, Gary Austin Crocker, Mari DiLena, Josephine Ann Endicott, Lutz Förster, John Giffin, Silvia Kesselheim, Ed Kortlandt, Luis P. Layag, Beatrice Libonati, Anne Martin, Jan Minařík, Vivienne Newport, Arthur Rosenfeld, Monika Sagon, Heinz Samm, Meryl Tankard, Christian Trouillas

Produktion Sadler’s Wells, Pina Bausch Foundation, Tanztheater Wuppertal Pina Bausch Koproduktion Amare (Den Haag), LAC Lugano Arte e Cultura, Festspielhaus St. Pölten, China Shanghai International Arts Festival Mit der Unterstützung von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Wuppertal