Soirée Preljocaj - La Stravaganza

Angelin Preljocaj / Saarländisches Staatsballett

„Ich liebe es, meine Stücke wiederaufzunehmen. Oder vielmehr liebe ich es, zu sehen, wie die Tänzer*innen meine vergangenen Stücke wieder in Besitz nehmen, denn sie sind es, die sie reaktivieren“ verrät Angelin Preljocaj 2015. So ist es dieses Jahr bei PERSPECTIVES zu erleben. Im Rahmen des Programms FranceDanse, das vom Institut français Deutschland initiiert wurde, zeigt das Saarländische Staatsballett La Stravaganza, das von dem französischen Choreografen 1997 für das angesehene New York City Ballet produziert wurde.

Das Stück für zwölf Interpret*innen verweist auf die persönliche Geschichte von Preljocaj, der albanischer Abstammung ist und sich in den 90er Jahren nach New York aufmacht, in die Stadt der Zukunft und der Moderne. Als junger Choreograf der neuen französischen Szene begeistert ihn damals die leichtfüßige, losgelöste Ästhetik der amerikanischen Compagnie. Diese Lebendigkeit findet in La Stravaganza ein großes Echo. Preljocaj bringt zwei Gruppen von je sechs Tänzer*innen gegeneinander in Stellung, um das Aufeinandertreffen der Alten und der Neuen Welt zu illustrieren. Gegensätzlicher könnten die Gruppen nicht sein: Menschen, die direkt aus einem Gemälde von Vermeer entstiegen scheinen, bewegen sich schwer und breiten sich mit klaren, rigiden Bewegungen aus. Etwas Mechanisches liegt darin. Gegenüber beobachtet sie die andere Gruppe in nüchternen, hautfarbenen Gewändern neugierig. Ihre Gesten sind weich und fließend, die Körper leicht und sinnlich. Mit einer choreografischen Sprache, die direkt vom New York City Ballet inspiriert ist, stürzen sie sich im Takt der Barockkonzerte leidenschaftlich ins Getümmel. Ihre grazilen Schwünge werden regelmäßig von den Angriffen des gegnerischen Lagers und bedrohlichen Industrie-Klängen unterbrochen.

La Stravaganza – so auch der Titel von zwölf Violinkonzerten Vivaldis – ist ein üppiges, sehr elegantes Stück, das das Publikum mit seinem Ungestüm und der Schönheit seiner Bilder mitreißt. Die Komposition von Preljocaj spielt mit Stilen und Emotionen, wechselt große, dynamische Ensembles mit intimen Duetten ab. Obwohl es eine seiner frühen Stücke ist, bleibt die Kraft dieses Werks unverändert. Souverän vom Saarländischen Staatsballett interpretiert, erscheint sie moderner als je zuvor.

Die Soirée Preljocaj ist ein zweiteiliger Tanzabend, der dem Choreografen Angelin Preljocaj gewidmet ist. Still Life ist der ersten Teil der Soirée Preljocaj und wird gefolgt von La Stravaganza.


Biografie

Biografie Angelin Preljocaj

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Tanz

Dienstag | 11. Juni 2019 00:00

Saarländisches Staatstheater
40 Min
Ohne Worte
Choreografie Angelin Preljocaj
Bühnenbild Maya Schweizer
Bühnenbildassistenz Jasmin Kaege
Kostüme Hervé Pierre
Licht Mark Stanley adaptiert von André Fischer
Einstudierung Naomi Perlov
Inspizienz Martina Krawulsky
Mit Tania Angelovski, Alexandra Christian, Hope Dougherty, Mélanie Lambrou, Micaela Serrano Romano, Miyuki Shimizu, Alexander Andison, Dean Biosca, Conner Bormann, Edoardo Cino, Adrián Ros Serrano, Shawn Throop
Musik Antonio Vivaldi, Robert Normandeau, Åke Parmerud, Evelyn Ficarra, Serge Morand

Antonio Vivaldi: Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo in d-Moll RV 249, 3. Satz
Robert Normandeau: Eclats de voix (Auszug)
Antonio Vivaldi: Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo in d-Moll RV 249, 1. und 2. Satz
Åke Parmerud: Yàn (Auszug)
Antonio Vivaldi: De torrente in via bibet aus Dixit Dominus RV 595
Evelyn Ficarra: Sources of Uncertainty – Model 266 (Auszug)
Antonio Vivaldi: Tecum principium aus Dixit Dominus RV 595
Serge Morand: Naïves (Auszug)
Antonio Vivaldi: Sit nomen Domini aus Laudate pueri Dominum RV 600
Robert Normandeau: Eclats de voix (Auszug)