Soirée Angelin Preljocaj - Still Life

Angelin Preljocaj / Ballet Preljocaj

Fünf Körper liegen ausgestreckt auf der Bühne, bewegungslos im Halbdunkel. Ein sechster, aufrecht, in stolzer Haltung, erweckt sie einen nach dem anderen zum Leben, einem unendlich langsamen Puls folgend, wie dem eines lethargischen Wesens.

Das Ballett von Angelin Preljocaj beginnt mit einem Stillleben (engl. „still life“). Der französische Choreograf mit seiner unverkennbaren Tanzsprache ist wieder einmal zu Gast in Saarbrücken (Un trait d'union / Noces / Liqueurs de Chair, PERSPECTIVES 1990; N, PERSPECTIVES 2004; Les 4 Saisons, PERSPECTIVES 2006; Roméo et Juliette, PERSPECTIVES 2016), diesmal mit einem Stück über das Genre Vanitas. Das Vanitasmotiv, hauptsächlich in der europäischen Malerei des 17. Jahrhunderts zu finden, illustriert die Vergänglichkeit der menschlichen Leidenschaften im Angesicht der ablaufenden Zeit und der Unausweichlichkeit des Todes. Preljocaj bedient sich der barocken Ästhetik, indem er sein Werk mit Symbolen und Allegorien spickt: Schädel, Sanduhr, Weltkugel und andere Bezugsobjekte treten in Erscheinung.

Kampfszenen in Zeitlupe, ausgefeilte Posen, spannungsvolle Liebesduos und temperamentvolle Gruppenchoreografien geben dem Tanz einen immer intensiveren Rhythmus vor. Die elegante, millimetergenaue Choreografie ist hypnotisch und wird nach und nach kraftvoller, virtuos getanzt von sechs Tänzer*innen im enganliegenden schwarzen Spitzenbody. Die Körper, bald gestreckt, bald geduckt oder scheinbar ineinander verwoben, bewegen sich abwechselnd langsam und ruckartig und werden am Ende vor unseren Augen zu einer surrealen Vision. Mal ist eine vielarmige Gottheit auszumachen, mal eine zerteilte Frau, mal der berühmte Denker von Rodin.

Hier steht alles im Kontrast zueinander: Weiß bricht schwarz, die zwischen Zeitgenössischem und Klassik pendelnde Choreografie, oder auch die Techno-Rhythmen des Kollektivs 79D, die einen Gegensatz zu den weichen Geigenklängen von Alva Noto und Ryuichi Sakamoto bilden. Die schlichte Szenografie stellt das Talent von Eric Soyer unter Beweis, eines Lichtmagiers, der geschickt mit Schatten und Perspektiven spielt und die Bühne in einen geheimnisvollen Schimmer taucht. Durch dieses so klug eingesetzte wie beunruhigende Hell-Dunkel entsteht ein sehr lebendiges Gemälde.

Und ununterbrochen hören wir dieses obstinate Tick-Tack, das memento mori, das uns an die Stunde des Todes gemahnt, bis wir am Ende des Tanzstücks, dessen Bilder sich wie ein seltsamer, erhabener Traum im Kopf verfangen, sprachlos verharren.


Die Soirée Angelin Preljocaj ist ein zweiteiliger Tanzabend, der dem Choreografen Angelin Preljocaj gewidmet ist. Still Life ist der ersten Teil der Soirée Angelin Preljocaj und wird gefolgt von La Stravaganza.

Biografie

Biografie Angelin Preljocaj

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Tanz

Dienstag | 11. Juni 2019 20:00
Deutschlandpremiere

Saarländisches Staatstheater
45 Min
Ohne Worte
Choreografie Angelin Preljocaj
Musik Alva Noto, Ryuichi Sakamoto
Tondesign 79D
Bühnenbild und Kostüme Lorris Dumeille
Licht Eric Soyer
Mit Isabel García Lopez, Verity Jacobsen, Emilie Lalande, Cecilia Torres Morillo, Baptiste Coissieu, Redi Shtylla
Regieassistenz Youri Aharon Van den Bosch
Choreologe Dany Lévêque
Produktion Emmanuelle Mandel
Touring Alice Dumas

Produktion Ballet Preljocaj – Centre Chorégraphique National
Gefördert durch Ministère de la Culture et de la Communication DRAC Provence-Alpes-Côte d’Azur / Département des Bouches-du-Rhône / Métropole Aix-Marseille-Provence / Territoire du Pays d’Aix / Ville d’Aix-en-Provence
Mit der Unterstützung von Groupe Partouche – Casino Municipal d’Aix-Thermal / weiteren unterstützenden Privatpersonen und Firmen