Kamp

Hotel Modern

Mit großer Genauigkeit und Vorsicht stellen sich die drei Künstler*innen vom Rotterdamer Theater- und Performance-Kollektiv Hotel Modern einem der schmerzhaftesten Themen des 20. Jahrhunderts und erteilen eine wichtige Lektion über Geschichte und Menschlichkeit. Das Vernichtungslager von Auschwitz als minutiös nachgearbeitetes Modell aus Pappmaché ist die Bühne. Baracken, Eisenbahnschienen, tausende Miniaturfiguren und das Tor zum Grauen mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“. Mit den Mitteln des Objekttheaters und äußerster Akribie setzen sich die drei künstlerisch mit dem herabwürdigenden Alltag der Lagerinsass*innen auseinander. Sie bewegen ihre Figuren aus Ton und Draht, filmen sie dabei live und lassen sie in Großaufnahme auf Leinwand sichtbar werden.

Das Publikum sieht die Todesmaschinerie der Nazis in vollem Gang. Es ist ein Theater ohne Worte. Die Figuren haben Köpfe aus Ton mit Gesichtern, die sich alle ähneln und doch unterschiedlich sind. Einzelne Menschen werden erkennbar, deren Schicksale in ihren täglichen, aufgezwungenen Verrichtungen nahe gehen.

Hotel Modern, das sind Pauline Kalker, Arlène Hoornweg und Herman Helle. Vor gut zwanzig Jahren gründeten sie ihr Theaterkollektiv und machen seither aufsehenerregende visuelle Kunst, für die sie sich des Figurentheaters, des Films und der Performance bedienen. Sie stellen sich mit ungewöhnlichen, verfremdenden Mitteln immer wieder komplexen, schmerzhaften Themen. Kamp ist ein solches Stück: Ein Abend über das Lager, das mehr als einer Million Menschen Leid und Tod brachte. Hotel Modern zeigt die unfassbare Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind, die unsägliche Agonie, die hier herrschte, und erteilt uns in aller Deutlichkeit die bittere Lektion der Gefahr, die im ungezügelten Hass und der Tyrannei lauert. Die Stärke dieses Stücks liegt in der schlichten, banal und fast dokumentarisch wirkenden Darstellung des Alltags in Auschwitz.

 

 

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