Cendres

Yngvild Aspeli / Plexus Polaire

In einem norwegischen Dorf zündelt ein Feuerteufel. Scheunen und Wohnhäuser brennen bis auf die Grundmauern nieder und die dörfliche Gemeinschaft gerät mehr und mehr aus den Fugen. Diese vielschichtige Erzählung über einen jungen Pyromanen erforscht den schmalen Grat zwischen Normalität und Verrücktheit. Es ist die Erzählung des Menschseins, eine Geschichte über das Biest, das in jedem von uns steckt, mit dem wir uns verbünden, um nicht aufgefressen zu werden.

Das besondere Augenmerk der jungen Regisseurin Yngvild Aspeli gilt dem Figurentheater. Für sie eröffnet die Möglichkeit, dass Darsteller*innen parallel als Figurenspieler*innen auftreten können, eine Freiheit, die es sogar erlaubt, gewaltvolle oder intime Bereiche des menschlichen Wesens anzusprechen, ohne die Grenze zum Unangenehmen oder zur Provokation zu überschreiten. Aspeli schafft ein visuelles Universum, in dem sie Sanftes mit Grausamkeit vereint. Über die Bildersprache, Klangwelt und Bewegungen gelingt es ihr, tief verborgene Gefühle ans Tageslicht zu bringen. Ihr Ziel ist es, Text in visuelle Sprache zu übersetzen, Geschichte in körperliche Erfahrung umzuwandeln.

Die französisch-norwegische Compagnie Plexus Polaire unter Yngvild Aspeli ist mit ihrem sehr eigenen, faszinierenden Figurentheater international erfolgreich. Cendres nimmt Bezug auf den Roman Før jeg brenner ned (dt.: Bevor ich verbrenne) des norwegischen Autors Gaute Heivoll, der geboren wurde, als die mysteriösen Brände wüteten. Wie hängt sein eigenes Leben mit den dramatischsten Brandstiftungen in der Geschichte Norwegens zusammen? Der atmosphärisch dichte Psycho-Thriller erzählt in ausdrucksstarken, surrealen Bildern von kollektiver Paranoia, Wahnsinn und düsteren Traumwelten. Die spannende Inszenierung ist mehr als doppelbödig, hier wird ein vertracktes, verwirrendes Spiel mit Figuren und Personen gespielt. Die lebensgroßen, fast erschreckend realistischen Puppen werden so virtuos geführt, dass man nicht mehr weiß, wer wen manipuliert, wer Mensch und wer „bloß“ Puppe ist. Schauspiel, Figuren und geisterhafte Videoeinspielungen fügen sich zu einem packenden Theatererlebnis.

 

Biografie

Biografie Yngvild Aspeli

Sarreguemines_Ville_de_culture 

Objekttheater

Freitag | 14. Juni 2019 00:00

Samstag | 15. Juni 2019 00:00

Le Casino des Faïenceries, Saargemünd
60 Min
In französischer Sprache mit deutscher Übertitelung (wenig Text)
Regie Yngvild Aspeli
Künstlerische Zusammenarbeit Paola Rizza
Puppenspiel Viktor Lukawski, Aitor Sanz Juanes oder Alice Chéné, Andreu Martinez Costa (erste Besetzung Pierre Tual, Amador Artiga)
Bühnenbild Charlotte Maurel, Gunhild Mathea Olaussen
Tondesign Guro Skumsnes Moe in Zusammenarbeit mit Ane Marthe Sørlien Holen
Puppenbau Polina Borisova, Sébastien Puech, Yngvild Aspeli, Carole Allemand, Sophie Coëffic
Kostüme Sylvia Denais
Licht Xavier Lescat (Lichtdesign David Farine)
Video David Lejard-Ruffet
Lichtregie Xavier Lescat oder Vincent Loubière
Tonregie Antony Aubert oder Simon Masson
Touring Claire Costa

Koproduktion Cie Philippe Genty / Figurteateret i Nordland / MCNA – Nevers / Le Mouffetard – Théâtre des arts de la marionnette à Paris
Mit der Unterstützung von Kulturradet – Norsk Kulturfond / DRAC Bourgogne / Fritt ord / Fond for Ly dog – Bilde / FFUK / Arcadi Ile-de-France / Nordlands Fylkeskommune / Département de la Seine-Saint-Denis
Dank an Théâtre du Fil de l’Eau – Pantin / Théâtre de la Girandole – Montreuil / La Nef Manufacture d’utopies – Pantin / Nord-Trondelag Teater