L'Avare

Ludovic Lagarde / Comédie de Reims-CDN

Ist Geiz geil? Wer dies glaubt, braucht dem Helden Harpagon und den Seinen nur genau zuzuschauen, um sich eines Besseren belehren zu lassen. L’Avare (Der Geizige) ist eine der bekanntesten Komödien von Molière, geschrieben vor 350 Jahren – und so aktuell wie nie! Es geht um menschliche Abgründe, um auf die Spitze getriebene Rücksichtslosigkeit durch unersättliche Gier, die wahnhafte Züge annimmt.

Der namhafte Regisseur Ludovic Lagarde von der Comédie de Reims beehrt das Festival PERSPECTIVES ein weiteres Mal mit einer herausragenden Inszenierung (2011: Un mage en été). Spektakulär lässt er die Darsteller in einem vollgestellten Lager aus Kisten und Paletten ihre komplex miteinander verflochtenen Beziehungsgeschichten ausleben. Bekannt ist der Text von Molière wohl, aber so bissig präsentiert erscheint er uns unerhört neu, absurd, komisch, bösartig, wild, herzzerreißend, lächerlich und liebevoll. Von der ersten Sekunde an zieht uns das Geschehen auf der Bühne in seinen Bann und  wir werden mit den Darstellern in alle erdenklichen Stimmungslagen geworfen. Harpagons Kinder Elise und Cléante suchen ihr Liebesglück und treffen dabei auf massiven Widerstand des raffgierigen Vaters, der sogar die junge Braut des Sohnes für sich selbst will und die Tochter ohne Mitgift an einen Greis zu verheiraten plant. Die sich daraus ergebenden Verwicklungen führen uns die erstklassigen Schauspieler so lebendig vor, dass man sich kein schöneres Theater wünschen kann.

Besonders hervorzuheben ist der großartige Laurent Poitrenaux in der Hauptrolle als Harpagon. Er zieht alle Register und beherrscht sie sämtlich: Von charmant bis devot, von grausam bis egoistisch präsentiert sich dieser ängstliche, brutale Harpagon seinen Gesprächspartnern überaus wandelbar. Eine Komödie, gewiss, die aber so gar nichts Seichtes hat, spannend inszeniert, ein genussvoller Moment hochkarätiger Schauspielkunst!

Biografien

Biografie Ludovic Lagarde
Biografie Laurent Poitrenaux

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