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Qualitätskontrolle
Rimini Protokoll

Die Künstler von Rimini Protokoll, deren Gesamtwerk bei der Theaterbiennale in Venedig 2011 mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet worden ist, machen dem Publikum ungewöhnliche Sichtweisen unserer Wirklichkeit zugänglich. Mit ihrem einzigartigen Dokumentartheater waren sie bereits mehrfach, zuletzt 2012, beim Festival Perspectives.

Eine 18-Jährige springt voller Übermut und Heiterkeit in einen Pool. Aber was passiert, wenn an dieser Stelle das Wasser nur 50 Zentimeter tief ist? So beginnt das zweite Leben von Maria-Cristina Hallwachs, die seit über 20 Jahren querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt. In dem Stück Qualitätskontrolle schildert sie nun, künstlerisch verdichtet, ihren Lebensweg, der so anders verläuft als gedacht. Mit einprägsamen Bildern wird der Zuschauer mitten hinein in den Alltag einer Frau gezogen, die selbstbewusst und unbeirrt von ihrem Leben berichtet. Dabei wird durch die Art der Darstellung falsches Pathos und Mitleidsgehudel vermieden. Die Bühne, ein stilisiertes Schwimmbecken, wird zur Spielwiese Hallwachs‘ auf der sie ihre Pfleger zur Partnerarbeit anleitet. Ihre starke Bühnenpräsenz wir durch zielgerichteten Einsatz von Lichteffekten, Ton und Videosequenzen komplettiert.

Der Protagonistin gelingt es, dem Zuschauer ihre Kraft und Lebensfreude unmissverständlich zu vermitteln und zu zeigen, was es heißt, sein Leben anzunehmen, egal was es bereithält. Dass dies nicht immer einfach ist, versteht sich von selbst – Maria-Cristina Hallwachs jedoch hat sich nicht mit dem Schicksal abgefunden, sondern genießt das Leben in vollen Zügen.

Diese Art des Dokumentartheaters entstammt unverkennbar der Feder von Helgard Haug und Daniel Wetzel, zwei von drei Mitgliedern des Kollektivs Rimini Protokoll, die polarisierende Themen in den Mittelpunkt ihrer Stücke stellen. Polarisierend einerseits, weil es hier nicht nur um das Schicksal des Einzelnen geht, das gleichwohl immer von so genannten „Experten des Alltags“, also Betroffenen selbst, dargestellt wird. Andererseits setzt sich das Stück mit der oft unbequemen Frage nach dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Behinderung auseinander. Was bedeuten die Diskussion um Begrifflichkeiten wie „lebenswertes Leben“ oder das ewige Streben nach Perfektion und Funktionstüchtigkeit konkret? Und wer entscheidet, was ein gutes und erfülltes Leben ausmacht? Es überwiegen der Lebensmut Hallwachs‘ und ihre positive und bejahende Grundhaltung, die zeigt, dass das Leben keiner wie auch immer gearteten Qualitätskontrolle unterliegen sollte.     

Das Stück wurde dieses Jahr für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert.

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Pressestimmen

„Wann ist ein Leben lebenswert?“, lautet die konzentrisch umkreiste Frage dieser ungeheuer intensiven, von Rimini-Protokoll hintergründig eingerichteten „Qualitätskontrolle“.
Stuttgarter Zeitung, 09. Juni 2013


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THEATER
Osthalle Römerkastell

Mit Maria-Cristina Hallwachs, Timea Mihályi & Admir Dzinic
Konzept Text Regie Helgard Haug & Daniel Wetzel
Bühne Licht Videomapping Marc Jungreithmeier
Bühne Marco Canevacci
Video Videomapping Grit Schuster
Musik Barbara Morgenstern
Dramaturgie Sebastian Brünger
Produktionsleitung Heidrun Schlegel
Regieassistenz und Recherche Markus Klemenz
Bühnenbildassistenz Ewa Sobczak
Produktionsassistenz Caroline Lippert
Inspizienz Hans Beck, Thomas Hoffmann  
Regiehospitanz Birte Niederhaus
Dramaturgiehospitanz Lena Fritschle
Produktion
Staatstheater Stuttgart
Koproduktion Rimini Apparat
Förderung den Regierenden Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.
Aufführungsrechte Schaefersphilippen Theater und Medien GbR
Diese Veranstaltung wird ermöglicht durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ im Rahmen der Gastspielförderung Theater aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Kultur- und Kunstministerien der Länder.



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