Une Ombre vorace

Auf der Bühne zwei Laufbänder, zwei Männer in Klettergurten und in der Mitte ein Spiegel, der die Szenerie teilt wie eine Wand.

Mit wenigen Mitteln erzählt der argentinische Regisseur Mariano Pensotti in Une Ombre vorace die Geschichte eines Bergsteigers, der zum Ende seiner Karriere beschließt, sich auf dieselbe Gipfelexpedition zur Annapurna in Nepal zu begeben, bei der sein Vater dreißig Jahre zuvor ums Leben kam. Auf der anderen Seite der Wand ein in die Jahre gekommener Schauspieler, der den Bergsteiger in der Verfilmung des atemberaubenden Abenteuers verkörpern soll und selbst mit seiner Rolle als Vater hadert. Die Ebenen der Erzählung verdoppeln sich.

Clever verwebt Mariano Pensotti, Gründer des argentinischen Kollektivs Grupo Marea, die Biografien zweier Männer am Wendepunkt ihrer Karrieren zu einem mitreißenden Theaterabend, der die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion auslotet.

Die Inspiration für Une Ombre vorace schöpfte der Regisseur aus Romanen des 19. Jahrhunderts, von Autoren wie Honoré de Balzac, Stendhal oder Leo Tolstoi, sagt er im Interview. Er habe eine Geschichte erzählen wollen, die wirke wie ein unmöglicher Film.

Dabei zeigt sich der Argentinier als Meister der Gleichzeitigkeit und des komplexen Storytellings: Die Handlung und die Monologe der beiden Protagonisten spiegeln und überlagern sich zu einer mitreißenden Erzählung über das menschliche Verhältnis zur Natur und den Klimawandel, über Midlife-Crisis, Vaterschaft und die Möglichkeit, ein anderer zu werden. Um beim alpinen Bild zu bleiben: Ähnlich einem Gletscher, der, wenn das Eis schmilzt, die Körper der Verschollenen zu Tage treten lässt, legt Mariano Pensotti hier Schicht um Schicht den Stoff frei, aus dem Geschichten gemacht sind.

Une Ombre vorace wurde 2024 beim Festival d’Avignon im Rahmen der Reihe Pièce commune uraufgefĂĽhrt. Die deutschsprachige Version dieses VolksstĂĽcks hatte vergangenes Jahr unter dem Titel Ein gefräßiger Schatten bei den Wiener Festwochen Premiere.

Mariano Pensotti ist ein argentinischer Autor und Regisseur, der dafür bekannt ist, Theater, Kino, Literatur und bildende Kunst miteinander zu verbinden. Als Gründer des Kollektivs Grupo Marea hat er eine eigenständige szenische Sprache entwickelt, in der persönliche Geschichten und kollektive Erzählungen miteinander verschmelzen und häufig in parallelen Handlungssträngen organisiert sind. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Cineastas und Une Ombre vorace. Pensotti schreibt die Texte seiner Bühnenstücke selbst und inszeniert sie häufig ortsspezifisch, um gezielt die Grenze zwischen Fiktion und Realität zu hinterfragen. 2015 war er mit Cuando vuelva a casa voy a ser otro beim Festival d’Avignon vertreten und hinterließ dort einen nachhaltigen Eindruck.

Scène de l’Hôtel de Ville

2 Rue du Maire Massing
F-57200 Sarreguemines

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Mit Cédric Eeckhout, Elios Noël Text und Regie Mariano Pensotti Dramaturgie Aljoscha Begrich Szenen- und Kostümbild Mariana Tirantte Musik und Ton Diego Vainer Licht David Seldes Künstlerische Beratung Florencia Wasser (Grupo Marea) Übersetzung Christilla Vasserot Künstlerische Zusammenarbeit Laurent Berger Regieassistenz Juan Francisco Reato, Edward Fortes

Produktion Festival d’Avignon Koproduktion Wiener Festwochen, Théâtre du Bois de l’Aune / Biennale d’Aix-en-Provence, Éclat-Centre National des Arts de la Rue et de l’Espace Public-Aurillac, CCAS les activitĂ©s sociales de l’énergie, La Vignette Scène conventionnĂ©e UniversitĂ© Paul-ValĂ©ry (Montpellier), Théâtre de Grasse, Théâtre du Champ au Roy (Guingamp) Mit der UnterstĂĽtzung von l’Onda – Office national de diffusion artistique Residenz Centre social Espace Pluriel, salle de la Barbière (Avignon)

Danksagung Théâtre de la Cité Internationale (Paris), Odéon-Théâtre de l’Europe (Paris)