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Geschichte von PERSPECTIVES

PERSPECTIVES – Woche des jungen französischen Theaters

PERSPECTIVES, das heute ein deutsch-französisches Festival der Bühnenkunst ist, wurde 1978 ursprünglich unter dem Namen Woche des jungen französischen Theaters / Perspectives du jeune théâtre français gegründet. Jochen Zoerner-Erb, der damals Dramaturg am Saarländischen Staatstheater war, wollte kreative Impulse für das zeitgenössische Theaterschaffen nach Saarbrücken holen und hatte die Idee, ein Festival des jungen französischen Theaters in der Grenzstadt Saarbrücken zu gründen. So sollte das deutsche Publikum die Gelegenheit haben, jedes Jahr die neuesten und innovativsten Produktionen der freien französischen Theaterszene zu erleben und zugleich sollten die jungen französischen Gruppen eine attraktive Plattform erhalten, um ihr Können im Ausland zu präsentieren. PERSPECTIVES war damit das einzige Festival, das neuen französischen Theatertalenten außerhalb Frankreichs ein Forum bot.

Zunächst waren die Perspectives du jeune théâtre français ein rein französisches Festival für französisches Theater, das in Frankreich als Festival der Entdeckung neuer Talente, als Plattform für junge zeitgenössische Künstler aus Frankreich bekannt und beliebt war und dessen Renommee überregional ausstrahlte. Für zahlreiche französische Künstler war ein Gastspiel bei den PERSPECTIVES der Beginn einer erfolgreichen künstlerischen Laufbahn.

Multidisziplinarität

PERSPECTIVES präsentierte dem Publikum neueste Entwicklungen im Bereich des französischen Theaters und bemühte sich zugleich darum, dem gesamten Reichtum der französischen Bühnenkunst in all ihrer Vielfältigkeit eine Plattform zu bieten. Die Gattungen der Bühnenkunst, die bei PERSPECTIVES seit 1978 ihr Forum fanden, sind vielfältig. Sie reichen von Sprech-, Musiktheater, Oper und Tanz über Schattentheater, burleskes Theater, Audio-Theater, Café-Theater, Kabarett, Visuelles Theater, Figurentheater, Jugendtheater bis hin zu szenischen Lesungen, Improvisationsspiel, Chanson, Zirkus, Akrobatik, Multimediashow, Pantomime, Performance und Videoszenografie.

Da PERSPECTIVES französisches Theater in einer deutschen Stadt und für ein überwiegend deutsches Publikum einlud, war es notwendig, auch Programmpunkte anzubieten, die für Besucher ohne fortgeschrittene Französischkenntnisse zugänglich waren. Die konsequente Mischung aus sprachlich anspruchsvollen Veranstaltungen und visuellen oder musikalischen Festivalbeiträgen gewährleistet seit der Anfangszeit des Festivals, dass auch das rein deutschsprachige Publikum von diesem kulturellen Ereignis profitieren kann.

Einzelne Stationen von PERSPECTIVES

Je nach Vorliebe des jeweiligen künstlerischen Leiters sowie bedingt durch äußere Zwänge fanden die Festival-Gastspiele mal an herkömmlichen, mal an eher ungewöhnlichen Spielstätten statt. Letztere umfassten Spielorte wie Parkhaus, Gasgebläsehalle, Schleppkahn auf der Saar, Hauptbahnhof, Flughafen und Kettenfabrik.

Auch inhaltlich und konzeptuell wandelte PERSPECTIVES mit seinen verschiedenen künstlerischen Leitern, die das Festival jeweils prägten, sein Erscheinungsbild. Die Schwerpunkte wechselten mit deren individueller Arbeit.

Unter der 8-jährigen Leitung von Zoerner-Erb erhielten die Gattungen Sprechtheater, Visuelles Theater, Tanztheater und Chanson den Hauptanteil in der Programmgestaltung. Zum jungen Theater in Frankreich, das Zoerner-Erb nach Saarbrücken holen wollte, gehörte auch, dass Theatertruppen die Säle verlassen und auf die Straße gehen: Bereits seit den frühen Festivaljahren bietet PERSPECTIVES daher reines Straßentheater an. Da es sich an ein breites Publikum wendet, wird Straßentheater als wichtige Form der Theaterkunst wahrgenommen.

Peter Hahn, der PERSPECTIVES 1986 künstlerisch leitete, hatte zum Anliegen ein schöpferisches, bewegendes, anregendes und aufregendes Theater in die Region zu holen. Auf den Spielplan setzte er überwiegend Klassiker der Moderne und bereits andernorts erfolgreich gespielte, ältere Inszenierungen, die etwa auf Stücken von Ionesco oder Beckett basierten.

Mit Marc Adam, der als erster Franzose die künstlerische Leitung des Festivals von 1987 bis 1991 übernahm, bekam PERSPECTIVES einen neuen Akzent im Bereich Tanztheater und Visuelles Theater.

Ab 1992 leitete der Schweizer Peter Theiler das Festival mit einem eher konservativen Konzept und legte den Schwerpunkt des Programms auf textlastige Inszenierungen. Unter dem bislang einzigen schweizerischen Leiter wurde zudem der Name des Festivals zu Perspectives – Festival des französischen Theaters und Chansons erweitert.

Unter Pierre-Jean Valentin erlebte PERSPECTIVES 1996 einen Höhenflug – mit 33 eingeladenen Gruppen und 81 Veranstaltungen waren die PERSPECTIVES 1996 das bislang umfangreichste Festival.

1997 bis 2001 arbeitete Christian Caimacan als künstlerischer Leiter und öffnete das Festival verstärkt ungewöhnlichen Spielstätten. Neben den eher ausgefallenen Spielorten zeigten auch die in diesen Jahren eingeladenen Inszenierungen eine bislang unbekannte Risikobereitschaft von PERSPECTIVES.

Einen Namenswechsel bescherte dem Festival Laurent Brunner im Jahr 2002, als PERSPECTIVES zu einem ‚deutsch-französischen Theaterfestival’ wurde. Straßentheater blieb aber auch weiterhin als wichtiger Programmpunkt erhalten und der Festivalleiter setzte auf große Namen und erfolgreiche Inszenierungen. Seit 2002 ist PERSPECTIVES offiziell ein deutsch-französisches Festival, das als Schaufenster für zeitgenössisches deutsches und französisches Theater gilt.

Mit dem Leitungswechsel von 2004 bis 2006 wurde das Programmangebot von PERSPECTIVES unter Michèle Paradon verstärkt künstlerisch innovativ und avantgardistisch.

Heutiges Konzept des Festivals

Nachdem 2007 Stéphane Konopczynski und Sylvie Hamard die Leitung von PERSPECTIVES übernahmen, entwickelte das Festival ein grundsätzlich neues, dem Publikum zugewandtes Konzept. Es betont heute mit seinem facettenreichen Angebot und direktem Kontakt seine Nähe zum Publikum. Mit neuem Image und einem hohen künstlerischen Anspruch möchte das Festival Bühnenkunst einladen, die Lust auf einen Besuch macht, Energie transportiert und alle Sinne anspricht. Unter Sylvie Hamard, die seit 2008 Leiterin des Festivals ist, zeigt PERSPECTIVES sorgfältig ausgewählte szenische Arbeiten des Schauspiels, zeitgenössischen Tanzes und Zirkus’ und hat dabei stets auch gesellschaftskritische und alltagsnahe Themen im Programm. Es bietet einen vielseitigen deutsch- und französischsprachigen Spielplan an und ist dabei ansprechend und überzeugend, wie auch die Besucherzahlen zeigen.

Seit 2007 steigerte PERSPECTIVES seine Zuschauerzahl von 4.000 auf ca. 13.000. Um seine erfolgreiche Auslastung jetzt noch zu überbieten und noch mehr hochrangige Gastspiele einladen zu können, müssten in Zukunft neue Spielorte erschlossen werden und außerdem ein größeres Budget zur Verfügung stehen; mit 13.000 Besuchern ist das gesamte derzeit mögliche Auslastungspotential des Festivals erreicht! Daneben ist die künstlerische Leiterin weiterhin darum bemüht, die internationale Bekanntheit und überregionale Wahrnehmung von PERSPECTIVES zu steigern, indem das Festival als Koproduktionspartner von großen Inszenierungen bekannter Institutionen fungiert – was z.B. schon bei mehreren Produktionen geschehen ist, die zum Festival d’Avignon eingeladen wurden.


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